Strafen im Hundetraining

Was bedeutet „Strafe“ im Training

Strafen

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig weiter ausholen. Zunächst sollten wir uns die Vier Quadranten des Lernens ansehen, die übrigens für alle Lebewesen gelten!

Da dazu in Kürze weitere Infos folgen werden, werden sie hier nur kurz vorgestellt:

  • Die positive Verstärkung bedeutet, etwas Angenehmes wird der Situation hinzugefügt
  • Die negative Verstärkung bedeutet, etwas Unangenehmes wird entfernt
  • Die positive Strafe bedeutet, etwas Unangenehmes wird hinzugefügt
  • Die negative Strafe bedeutet, etwas Angenehmes wird entfernt

Positiv und Negativ bedeuten hierbei, wie man sieht, Plus und Minus. Und nicht, wie es im weitläufigen Sinne oft verstanden wird, Gut und Böse.

Viele sind der Meinung, sie trainieren positiv, weil sie ihrem Hund jedes Mal eine Belohnung geben, wenn er was richtig gemacht hat. Vergessen dabei aber, dem Hund vorher schon freundlich zu vermitteln, was denn genau das „Richtige“ ist.

Nehmen wir mal ein Beispiel:
Der Hund zieht an der Leine. Wir rucken an der Leine (positive Strafe), der Hund hört kurz auf zu ziehen. Wir belohnen das (positive Verstärkung), der Hund zieht wieder an der Leine, er weiß ja nicht, wann die Leine zu Ende ist, wir rucken ihn wieder zurück (positive Strafe) und belohnen dann, wenn die Leine wieder locker ist (positive Verstärkung). Das Spielchen zieht sich über Tage und Wochen. Komisch, nicht wahr? Wir belohnen doch immer das gute Verhalten, also, wenn die Leine locker ist!

 

Warum ist das so?

Mit etwas Glück kann es sogar passieren, dass der Hund irgendwann nicht mehr zieht, weil er gelernt hat, es ist unangenehm und tut auch weh, wenn er zu weit nach vorne läuft und in der Leine hängt.

Es kann aber auch sein, dass wir damit sogar das Leineziehen verstärkt haben! Denn der Hund hat gelernt, wenn er zieht, wird es zwar erst unangenehm, aber anschließend folgt eine Belohnung! Dumm gelaufen!

Besser ist es doch, wir bestätigen und belohnen den Hund, solange die Leine noch locker ist. Also, bevor er überhaupt in die Situation hineingerät, zu ziehen. Wenn wir dann gleichzeitig noch ein „Leinen Ende“ Signal einführen, lernt der Hund auch sehr schnell, wie weit er sich von uns entfernen kann, bevor es unangenehm wird. Dieses Signal geben wir immer, kurz bevor die Leine sich spannt.

Das muss natürlich auch gut und positiv aufgebaut sein, sonst geraten wir auch hier wieder in den Kreislauf des Strafens. Den Aufbau des entspannt an der Leine Gehens zu erklären würde hier zu weit führen, aber dazu gibt es in der Facebook Gruppe „Training für Mensch & Hund“ und auf der 4Pfoten on Tour Seite Anleitungen bzw. Kurse.

 

Wir sind uns sicherlich darüber einig…

dass schlagen, stoßen, schubsen zu den Strafen gehören, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

Aber auch der Schnauzengriff, das Schütteln im Nackenfell oder das Herunterdrücken des Hundes sind antiquierte Maßnahmen, die dem Hundeverhalten entnommen wurden. Keiner von uns ist in der Lage, solche Dinge in genau dem richtigen Moment in genau der richtigen Intensität und genau der richtigen Anwendung zu vollziehen.

Starkzwangmittel, wie zum Beispiel Würgehalsbänder, Stachelhalsbänder, Retrieverleinen, Elektroschocker, heißen nicht umsonst so, es sind starke Mittel, die Zwang ausüben!

Brauchen wir nicht weiter drüber reden! Wollen wir nicht!

Jetzt können wir uns ja langsam fragen, warum schreibe ich das Alles, wir sind uns doch darüber einig, was eine Strafe ist?

 

Es gibt noch wesentlich mehr Dinge, die unter dem Aspekt der Vier Quadranten unter die Rubrik „Strafe“ fallen.

Druck, egal in welcher Form ausgeübt, ist eine Strafe! Auch den Poppo herunterdrücken, damit der Hund „lernt“ Sitz zu machen! Ihn an den Schultern herunter zu drücken oder die Vorderbeine nach vorne ziehen, damit er „lernt“ Platz zu machen. Den Hund auf unsere andere Seite ziehen, weil er sonst zu dicht an der Straße laufen würde. All das, und noch wesentlich mehr, von dem wir meinen, es tut ja nicht weh oder ist gerade mal notwendig, sind Strafen, die man durch Training vermeiden kann.

Schreckreize zum Beispiel. Dazu zählen Wurfketten oder –discs, Rüttelflaschen, mit Wasser bespritzen, anschreien, also alles, was für den Hund plötzlich, unerwartet und aus heiterem Himmel kommt. Was lernt der Hund denn dabei? Dass Menschen, die er z.B. anbellt, erst Recht doof sind, weil, jedes Mal, wenn er das macht, kommt eine Kette geflogen! Ergo, er wird den Menschen erst Recht anbellen, um die Gefahr, die von diesem ausgeht, zu vertreiben.

Oder er verknüpft das Ganze falsch. Vielleicht kommt genau in dem Moment, in dem die Kette fliegt, ein Kind um die Ecke? Also, Lernerfolg: nicht nur der entgegenkommende Mensch ist doof, sondern auch Kinder. Er weiß ja nicht, dass das Kind rein gar nichts mit der Kette zu tun hat. Er weiß nur: da kommt ein Kind und gleichzeitig eine Kette.

Oder aber, in genau dem Moment, in dem die Kette geflogen kommt, hatte er sich eigentlich schon wieder dazu entschlossen, zu uns zurückzukommen. Also bestrafen wir in dem Moment das sich zurücknehmen.

Gerade diese Liste der Fehlverknüpfungen könnten wir jetzt fast bis ins Unendliche weiterführen.

 

Kommen wir mal zu den Strafen, die nicht als solche erkannt werden, weil sie keine körperliche Gewalt beinhalten.

Da wäre das Blockieren. Was bitte schön ist daran jetzt eine Strafe? Ich hindere den Hund doch nur daran, irgendwo hinzugehen.

Es ist eine positive Strafe, denn der Hund möchte zu etwas für ihn wichtigem hin und das entziehen wir ihm durch blockieren. Wir fügen also etwas Unangenehmes hinzu.

Hat der Hund dabei etwas gelernt? Nicht wirklich, denn bei nächster Gelegenheit wird er wieder versuchen, an das Objekt der Begierde zu kommen.

Besser ist doch, ihm stattdessen eine Alternative anzubieten. Im Idealfall sogar schon, bevor er auf die Idee kommt, in die Küche zu laufen, um sich das Steak vom Schrank zu holen.

Hier drunter fällt übrigens auch das „Baum spielen“ bei der Leinenführigkeit. Auch das zähle ich zum Blockieren. Der Hund lernt dadurch nur, „ich muss noch stärker ziehen, um dahin zu kommen“

Ignorieren ist auch eine Form der, meist, negativen Strafe.

Der Hund springt uns an, wir drehen uns weg und ignorieren ihn. Oder er stupst uns an, weil er unsere Aufmerksamkeit möchte und wir tun so, als wäre er gar nicht vorhanden. Oder er bettelt am Tisch beim Essen und wir beachten ihn gar nicht.

Sicher, in den meisten Fällen lernt der Hund dadurch sogar, es lohnt sich nicht, dieses Verhalten zu zeigen. Aber nur, wenn wir dieses Verhalten konsequent und immer ignorieren! Dummer Weise kommt uns da aber das Gesetz der Wahrscheinlichkeit in die Quere. Wie Wahrscheinlich ist es, dass wir das auch wirklich durchziehen?

 

Hierzu ein tolles Beispiel, welches ich in einem Buch von Viviane Theby gelesen habe…

Wir holen uns am Kaffeeautomaten einen Kaffee. Irgendwann streikt der Automat. Na gut, Pech gehabt, gibt es heute halt keinen Kaffee! Am nächsten Tag wollen wir wieder einen Kaffee und gehen an den Automaten. Es klappt wieder nicht! Langsam werden wir frustriert, versuchen es am dritten Tag aber trotzdem wieder. Und, oh Wunder, wir bekommen unseren Kaffee! Selbst, wenn der Automat am nächsten Tag wieder defekt ist, versuchen wir es unermüdlich jeden Tag aufs Neue!
Soviel zum Thema ignorieren!

Ganz abgesehen davon, ist ignoriert werden für jedes Lebewesen eine unschöne Angelegenheit!

Immerhin haben wir, oder besser unser Hund, ja ein Bedürfnis, warum er etwas macht und dieses Bedürfnis wird vom Gegenüber, in dem Falle wir Hundehalter, nicht wahrgenommen und nicht beachtet.
Wie gehen wir jetzt aber mit dem Hund, der ein blödes Verhalten zeigt, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen, um?

Die einfachste Lösung ist, ihn noch zu belohnen, bevor er das Verhalten zeigen kann! Wir wissen doch, unser Hund springt uns an, wenn wir nach Hause kommen. Also belohnen wir ihn, notfalls verbal, solange er noch alle vier Füße auf dem Boden hat.

Oder, auch hier wieder, wir bieten ihm ein Alternativverhalten an. Das können gestreute Kekse sein, das kann ein Spielzeug sein oder auch ein Signal, das der Hund gut und gerne ausführt.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf die „Ich arbeite mit dem Clicker, also arbeite ich positiv“ Trainierenden“ zu sprechen kommen.

 

Nur, weil ich mit dem Clicker arbeite, heißt es noch lange nicht, dass ich straffrei arbeite.

Wie oft sehe ich es, da soll der Hund zum Beispiel nicht den Ball nehmen, den der Hundehalter in der Hand hält. Der Hund möchte den Ball aber gerne haben und versucht, sich ihn zu nehmen. Dann wird die Hand weggezogen, der Hund bekommt ein „Nein!“ um die Ohren geknallt und anschließend wird der Ball wieder hingehalten. Je nach Frusttoleranz und Impulskontrolle dauert es, bis der Hund vor lauter Frust nicht mehr versucht den Ball zu nehmen. Dann wird geklickert und der Hund erhält eine Belohnung.

Das ganze Spielchen wiederholt sich über Versuch und Irrtum, bis der Hund endlich kapiert hat, er soll warten, bis ihm der Ball gegeben wird. Das ist Training nach dem „Zuckerbrot und Peitsche“ Prinzip!

Hier wäre der wirklich positive Weg, das noch erwünschte Verhalten, nämlich das nicht-nach –dem-Ball-greifen des Hundes zu clickern und ihn für seine Geduld, und dauerte diese auch nur eine Zehntelsekunde, zu belohnen. Den Clicker kann man dann immer weiter hinauszögern.

Auf diese Art lernt der Hund sehr schnell, dass Warten sich lohnt und hat zudem noch Spaß an dem Spiel.

 

Es liegt in unserer Verantwortung, unsere Hunde soweit zu beobachten und zu kennen, dass wir seine Bedürfnisse wahrnehmen und erkennen, sein Verhalten und seine Körpersprache lernen, um noch erwünschtes Verhalten belohnen zu können, bevor der Hund gezwungen ist, unerwünschtes zeigen zu müssen!

 

Das ist, in meinen Augen, Training über positive Verstärkung, in der Strafen keinen Platz haben!

 

Autorin: Birgit Fey

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