Belohnungen was du dazu wissen solltest

Allgemein

 

Einige Fragen, die uns so durch den Kopf gehen, wenn wir über „Belohnungen“ nachdenken, werden wir hier beantworten

Im Zusammenleben mit unseren Hunden sind Belohnung äußerst wichtig. Ohne diese gibt es kein harmonisches Miteinander!

Mancher wird jetzt vielleicht denken, „Ja Hallo, wo kommen wir denn da hin? Mein Hund hat das zu tun, was ich ihm sage!

Äh, ja, mag sein. Aber, dann stellt euch doch bitte auch mal die Frage, ob ihr einen Soldaten an der Leine habt, der blind jeden Befehl ausführt?

Zudem er diese „Befehle“ ja auch irgendwie lernen musste. Hunden sind die Begriffe von Sitz, Platz und Fuß nicht angeboren. Und wenn ihr ohne Belohnungen eurem Hund die „Befehle“ beibringen möchtet, geht es nicht ohne Druck und Zwang! Von Harmonie und einem Miteinander kann dann keine Rede mehr sein!

„Ja, aber ich habe nun mal einen Hund der ständig an der Leine zieht oder nach anderen Menschen beißt oder er jagt alles, was ihm vor die Füße läuft oder oder oder! Da muss ich mit harter Hand durchgreifen. Dem muss ich klarmachen, wer der Chef ist!“
Aha, und hilft die harte Hand? Hört er auf, an der Leine zu ziehen? Zuverlässig? Mag er nun fremde Menschen, nachdem er immer gestraft wurde, sobald er nach einem fremden Menschen gebissen hat? Würdet ihr mit ihm samstags durch die Innenstadt gehen? Traut ihr euch und eurem Hund das, nach der „Erziehung“, zu?

Die Rehe interessieren ihn überhaupt nicht mehr?

Das eine oder andere mag tatsächlich auf Dauer funktionieren, aber verlassen würde ich mich nicht darauf!

Komischer Weise sind die Hundeschulen überfüllt mit Hunden, die gegen andere Hunde gehen. Die sich nicht abrufen lassen, die jede Gelegenheit nutzen, eigene Wege zu gehen. Und noch komischer ist es, dass in vielen, vielen Hundeschulen genau in der oben genannten Schiene weitergefahren wird. Dann war man immer noch nicht streng genug! Dann müssen eben härte Geschütze aufgefahren werden!

Wie wäre es denn mal mit Umdenken/Umlernen?

Die Dakota Indianer haben einen sehr weisen Spruch:

„Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab!“

Gemeint ist damit, wenn du dich in einer Situation festgefahren hast und nicht mehr weiterkommst, trete nicht auf der Stelle, sondern gehe neue Wege! Beerdige das tote Pferd und schaffe Platz für neue, bessere Ideen!

Fangen wir doch gleich mit der Änderung an und nehmen eine freundlichere Wortwahl. Den „Befehl“ oder das „Kommando“ ersetzen wir durch „Signal“!

Hört sich doch gleich viel netter an, oder? Und wenn wir mit freundlichen Begriffen denken, handeln wir auch freundlicher!

Als nächstes belohnen wir unseren Hund jedes Mal, wenn er etwas richtig gemacht hat! Belohnen heißt nicht, immer ein Leckerli zu füttern! Belohnen kann alles Mögliche sein. Ein „fein gemacht“ weckt positive Gefühle in unserem Hund. Ein kurzes Spiel erlaubt ihm, ggf. angestaute Energien zu verbrauchen, eine Freigabe für etwas, das er gerne machen möchte, bestärkt ihn darin, dass wir seine Bedürfnisse wahrnehmen, ein Leckerchen setzt Glückshormone frei.

Damit haben wir auch schon gleich eine der Fragen zum größten Teil beantwortet, die sich viele stellen, wenn sie positiv trainieren möchten. Denn ganz oft, kommt die Frage:

„Ja soll ich jetzt ständig mit Leckerchen um mich werfen?“

Nein, wie oben bereits erwähnt ist „belohnen“ nicht gleichbedeutend mit „Futter“!
Womit wir auch den Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen, die behaupten, ihr Hund frisst keine Leckerchen. Das ist aber noch einmal ein anderes Thema, auf das wir noch zu sprechen kommen.

Die nächste Frage, die oft gestellt wird, ist:

„Hört das auch mal irgendwann auf, mit dem ständigen Belohnen?“

Die Antwort ist ein ganz klares „Nein!“

Es wird mit der Zeit weniger. Einem Hund, der schon 1000 Mal „Sitz“ gemacht hat, brauche ich kein Steak mehr zur Belohnung geben, es reicht dann auch ein „Brav!“ und ab und an auch mal ein leckerer Keks.

„Woher weiß ich, dass ich den richtigen Moment für eine Belohnung erwische? Und woher weiß ich denn, dass ich mit dem Belohnen nicht das fehlerhafte Verhalten verstärke?

Auch dies ist eine Frage, die sich viele stellen.

Gegenfrage: Woher wisst ihr denn, dass ihr im richtigen Moment eine Strafe einsetzt? Und woher wisst ihr, dass ihr mit der Strafe nicht ein erwünschtes Verhalten bestraft?

Es ist doch viel einfacher, ein erwünschtes Verhalten zu belohnen, als darauf zu warten, bis der Hund einen Fehler macht und diesen dann zu bestrafen. Das Tolle am positiven Training ist, vor jedem unerwünschten Verhalten zeigt der Hund noch erwünschtes Verhalten, welches wir belohnen können! Warum also warten, bis der Hund einen Fehler macht, und ihn damit in die Falle rennen lassen?

Macht euch doch mal auf eurem nächsten Spaziergang den Spaß und beobachtet euren Hund in Situationen, die, sagen wir mal, nicht ganz so leicht sind, aber auch noch nicht Hardcore.  Nur mal ein Beispiel: Ihr wisst, euer Hund mag keine Männer mit Hut. Das nächste Mal, wenn ihr einen Mann mit Hut auf euch zukommen seht, beobachtet mal euren Hund, was er macht und was davon für euch noch ok ist. Will euer Hund eigentlich gerne hinter euch? Spitze! Guckt er den Mann an, ist aber noch ruhig? Klasse! Spannt sich sein Körper und ihr wisst, gleich geht er nach vorne? Immerhin, er beherrscht sich noch und hängt noch nicht keifend in der Leine! Das sind jetzt nur ein paar wenige Verhaltensweisen, die euer Hund zeigen kann, bevor er Zeter und Mordio schreiend auf den Mann mit Hut losgehen will! Das sind alles Gelegenheiten, die wir belohnen können! Und, soll ich euch mal was sagen? In unserem Beispiel wäre jetzt vermutlich die größte Belohnung für unseren Hund, wenn wir die Distanz zu dem Mann mit Hut vergrößern würden!

Aber, ich schweife schon ab in Richtung Training und das ist eigentlich nicht Sinn und Zweck dieses Artikels. Ich wollte euch nur zeigen, dass es wirklich immer Gelegenheiten gibt, die wir belohnen können, bevor der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt.

Eine weitere Frage ist auch:

„Besteche ich meinen Hund nicht, wenn ich ihm jedes Mal eine Belohnung gebe?“

Nein, denn Bestechung ist, wir zeigen den Preis, der zu erwarten ist, bevor wir die Handlung benennen.

Wir haben hier die Reihenfolge: Belohnung wird präsentiert – Signal folgt – Verhalten wird ausgeführt – Belohnung wird verabreicht.

Der Hund weiß also, dass er etwas bekommt und er weiß auch was er bekommt! Im ungünstigsten Fall kann es hier sogar passieren, dass der Hund unseren Bestechungsversuch als uninteressant bewertet und mit seinem Verhalten weiter macht!

Belohnen ist, wir erwarten erst die Handlung, dann präsentieren wir den Preis, den wir dafür erdacht haben. Der Hund weiß also nie, ob es etwas für sein Handeln gibt und was es gibt. Das macht die Sache spannend für ihn.

Dabei hilft uns der Clicker bzw. das Markerwort, welche dem Hund immer sagen, das, was du gerade machst ist gut, richtig, klasse, möchte ich öfter sehen. Deine Belohnung kommt gleich.

Wir haben also die Reihenfolge: Signal – Verhalten – Click/Marker – Belohnung.

Zum Clickertraining gibt es hier auf der Seite noch einige, ausführliche Berichte!

„Ja, aber warum sollen Belohnungen besser funktionieren, als eine angemessene, der Situation angepasste Strafe?“

Erstens gibt es keine „angemessene“ Strafe! Es sei denn, wir treten uns selbst in den Allerwertesten, wenn der Rückruf nicht klappt, denn dann haben wir Fehler beim Aufbau und/oder der Anwendung gemacht!!

Zweitens sind wir gar nicht in der Lage „Situationsgerecht“ zu strafen. Was wäre denn eine der Situation angepasste Strafe, wenn der Hund auf unser Rufen nicht kommt? Ihn strafen, wenn er dann endlich, endlich mal bei uns eingetrudelt ist? Tja, dumm gelaufen, denn damit strafen wir das Zurückkommen des Hundes! Denn der Hund verknüpft Strafen und Belohnungen immer mit dem zuletzt ausgeführten Handeln. End vom Lied: a) er wird sich wieder weiter entfernen (denn er weiß ja nicht, dass er zu weit weg war, als wir ihn gerufen haben) und b) je öfter wir ihn dann noch bestrafen, desto länger dauert es, bis er dann mal kommt!

Und, wenn wir nur das unerwünschte Handeln durch Strafen unterdrücken, geben wir unserem Hund doch gar nicht die Gelegenheit zu lernen, was wir denn eigentlich von ihm wollen!

Strafen rufen Angst, Stress und Meideverhalten hervor! Von Lernen im Sinne von „Ich habe verstanden!“ ist weit und breit keine Spur!

Anders beim Belohnen!

Belohnen setzt Glückshormone frei. Und nicht nur beim Hund! Es macht doch auch uns viel mehr Spaß, ein Verhalten belohnen zu können, als eines zu strafen!

Der Hund wird freudig versuchen, unsere Signale zu verstehen und umzusetzen und hat Spaß daran, wenn wir sagen: „Komm, es ist Trainingszeit!“
Wenn wir den zurückkommenden Hund belohnen, egal wie lange es gedauert hat, bis er bei uns ist, dauert es gar nicht lange und er wird freudig zu uns kommen, wenn wir ihn rufen, denn bei uns passiert immer etwas Tolles! Mit viel üben, den richtigen Signalen und ein wenig Verständnis können wir unseren Hund in Zukunft sogar von Auslösern abrufen, an die bis dato noch nicht im Entferntesten zu denken war!

Beerdigt das tote Pferd und geht einen neuen Weg mit eurem Hund!

Den positiven Weg, auf dem Belohnungen der Lohn der Arbeit sind!

 

Unter folgenden Links könnt ihr Fragen stellen, euch informieren und weiterlesen:

Ihr trainiert bereits mit positiver Verstärkung und habt Fragen oder wünscht den Austausch mit Gleichgesinnten? Dann kommt in die Facebook Gruppe „Training für Mensch und Hund“:

https://www.facebook.com/groups/720463771417485/

 

Ihr seid neugierig geworden, wisst aber nicht genau, wie ihr es anstellen sollt? Ihr habt Angst, etwas falsch zu machen? Seid euch unsicher, den gewohnten Weg zu verlassen? In der Facebook Gruppe „Perspektivwechsel“ könnt ihr eure Fragen stellen und euch vom positiven Weg anstecken lassen:

https://www.facebook.com/groups/perspektivwechselhund/

 

Das Thema Körpersprache des Hundes interessiert euch? Die Hunde Locke, Friedolin und Elli geben Auskunft:

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