Belohnungen – wie und warum sie funktionieren

Allgemein

 

Im ersten Teil haben wir uns ja damit beschäftigt, welche Fragen uns so durch den Kopf gehen, wenn wir an Belohnungen denken.

Jetzt wollen wir mal schauen, warum Belohnungen denn so wichtig und erfolgversprechend im Training sind.

Dazu müssen wir einen kurzen Abstecher in die Lerntheorie machen.

Wir sprechen im Training unter anderem von sogenannten „Verstärkern“. Ein Verstärker führt dazu, das eine Verhaltensweise öfter gezeigt wird. Es gibt den „positiven Verstärker“ und den „negativen Verstärker“

Positive Verstärkung: Eine Verhaltensweise führt zur gewünschten positiven Konsequenz. Beispiel: der Hund macht „Sitz“ und bekommt dafür ein Leckerchen.

Negative Verstärkung: Eine Verhaltensweise führt dazu, dass eine unangenehme (aversive) Konsequenz ausbleibt, bzw. für den Moment aufhört. Beispiel: Der Hund macht „Sitz“, weil er dem Druck auf den Popo verhindern möchte.

Soweit die Theorie. Wie sieht es aber in der Praxis aus?

Im positiven Training arbeiten wir mit Belohnungen als „Verstärkern“, denn eine Belohnung führt dazu, dass das gewünschte Verhalten, nach einer angemessenen Trainingszeit, auch gerne ausgeführt wird. Anders bei Training über negative Verstärker. Hier zeigen wir dem Hund zwar auch, was wir von ihm wünschen, aber durch den vorhergehenden, negativen Reiz, lassen wir Platz für Meideverhalten, bzw. unser Hund fühlt sich in der Situation nicht wohl. Außerdem wecken wir mit dem Belohnen positive Emotionen in ihm, was wiederum dazu führt, dass unser Hund die Signale auch gerne und freudig ausführt und die Bindung zu uns stärkt. Bei allen anderen Trainingsformen, zeigen wir dem Hund, was wir nicht sehen möchten. Dabei hat er aber die Wahl zwischen vielen anderen Verhaltensweisen, die er zeigen könnte.

Bleiben wir mal bei dem einfachen Signal „Sitz“: Der Aufbau ist, unser Hund steht bei uns, wir führen ein Leckerchen über seine Nase nach hinten. Um an das Leckerchen zu kommen, setzt er sich hin. Dafür bekommt er es auch. Das machen wir ein paar Mal, dann lassen wir das Leckerchen weg und führen nur noch unsere Hand über die Nase nach hinten. In Erwartung des Leckerchens setzt sich unser Hund und bekommt dafür dann auch eines, welches wir, in diesem Trainingsschritt, erst nach dem Hinsetzen präsentieren! Kann unser Hund dies schon gut, führen wir das Signal „Sitz“ ein. Fortan bekommt unser Hund das Leckerchen, wenn er sich auf unser Signal hinsetzt.

In unserem Beispiel haben wir unserem Hund klar und deutlich gezeigt, was wir von ihm wünschen.

Nun schauen wir mal, wie das Ganze mit Druck auf den Popo aussehen kann:

Unser Hund steht wieder bei uns. Wir sagen das Signal „Sitz“. Unser Hund weiß natürlich nicht, was das bedeutet. Also beugen wir uns über ihn und drücken seinen Po herunter. Der Hund sitzt! Beim nächsten Mal das Gleiche, wir geben das Signal, unser Hund weiß nicht, was wir meinen, wir beugen uns wieder über ihn und drücken ihn in die gewünschte Position. Beim nächsten Versuch weiß der Hund, wenn wir „Sitz“ sagen, beugen wir uns über ihn, das findet er sehr unangenehm und weicht nach hinten aus! Oder er legt sich hin und dreht sich vielleicht sogar auf den Rücken! Er hat aber auch die Möglichkeit sich weg zu drehen, oder ganz aus der Situation herauszugehen, vielleicht schnappt er sogar nach uns, weil ihm die ganze Angelegenheit mehr als unangenehm ist. Irgendwann hat er dann mal verstanden, was wir mit dem Signal „Sitz“ denn nun von ihm wollen.

Wir haben ihm damit die Möglichkeit gegeben, andere Verhaltensweisen zu zeigen bzw. zu versuchen, aus der für ihn misslichen Situation heraus zu kommen.

Wir haben allein nur an dem einfachen Beispiel „Sitz“ jetzt bereits gesehen, wie viele Rätsel wir unserem Hund aufgeben, bzw. unklar in unserer Kommunikation mit ihm sind.

Dieses Prinzip lässt sich auf ALLE Verhaltensweisen, die wir uns von unserem Hund wünschen, übertragen!

Glaubt ihr nicht? Doch, es ist aber so! Wir müssen nur ein klares Bild von dem haben, was genau wir sehen möchten! Und nicht, was wir nicht sehen möchten!

Es gibt ein sehr schönes kleines Experiment, dass ich gerne mal mit euch durchführen möchte!

Schließt eure Augen und denkt nicht an einen rosa Elefanten!

Na, was habt ihr sofort vor Augen? Richtig! Einen rosa Elefanten!

Um bei unserem Experiment zu bleiben, werde ich jetzt etwas ungeduldig und schimpfe los: „Ich habe doch gesagt, ihr solltet nicht an rosa Elefanten denken!“

Jetzt fangt ihr an, zu überlegen. An was soll ich denn denken? Karierte Elefanten? Grüne? Gelbe? Das Spielchen können wir jetzt bis ins Unendliche weiterspielen. Vielleicht kommt ihr sogar irgendwann auf die Idee, dass mein Wunsch war, ihr sollt an graue Nashörner denken!

Hätte ich Euch von Anfang an gesagt, „Denkt an ein graues Nashorn“ wäre keiner auf die Idee gekommen, dass es bunte Elefanten geben könnte!

Und wenn ich euch dann auch noch dafür belohne, dass ihr fortan an graue Nashörner denkt, wenn ich dazu ein bestimmtes Signal gebe, habe ich euch erfolgreich und ohne euch große Rätsel aufzugeben, auf „graue Nashörner“ bei einem bestimmten Signal konditioniert!

Und im Grunde funktioniert das positive Training nach diesem Prinzip: wir machen uns klar, was genau wir von unserem Hund wollen und wie wir es ihm am einfachsten und freundlichsten verständlich machen.

 

Hinzu kommt, dass wir mit Hilfe der positiven Verstärkung nicht Gefahr laufen, unerwünschtes Verhalten zu fördern.

Jetzt tut sich doch gleich eine Frage auf: „Wieso sollte ich unerwünschtes Verhalten fördern, wenn ich nicht mittels positiver Verstärkung arbeite?“

Hier kommen jetzt die sogenannten „Verknüpfungen „oder „assoziatives Lernen“ mit ins Spiel. Es ist jene Form des Lernens, das Verbindungen im Gehirn festlegt, dass bestimmte Ereignisse, die gemeinsam auftreten, zusammengehören.

Gehen wir nochmal zurück zu unserem „Sitz“ und bauen es noch einmal über den Druck auf den Po auf. Wir sagen „Sitz“, beugen uns über den Hund und drücken ihn am Po runter. Oben haben wir ja schon gelernt, dass da gleich zwei unangenehme Dinge mit dem Hund passieren, das über ihn Beugen und der Druck. Das Ganze machen wir auf der Hundewiese im Stadtpark. Für den Hund ist damit klar, „Sitz“ heißt: Herrchen beugt sich über mich, das ist doof! Herrchen drückt mir auf den Popo. Das ist auch doof! Da hinten laufen Hunde, wenn Herrchen das macht, also sind laufende Hunde auch doof!

Gleiche Stelle, gleiche Übung, aber diesmal mit positiver Verstärkung. Herrchen führt seine Hand über meine Nase, ich setze mich hin und bekomme dafür einen Keks! Das ist toll! Da hinten laufen Hunde, wenn Herrchen das macht, laufende Hunde sind toll, dann bekomme ich Leckerchen.

Natürlich üben wir, in beiden Beispielen, das Sitz auch an anderer Stelle, ohne laufende Hunde. Aber es brauchen nur noch ein paar Mal die laufenden Hunde mit ins Spiel kommen, wenn wir irgendetwas mit unserem Hund üben. Da kann es ganz leicht passieren, dass unser Hund bei der negativen Verstärkung, oder sogar Strafen, die laufenden Hunde mit dem unangenehmen Reiz verknüpft, assoziiert, und schon wird er ungehalten, wenn er freilaufende Hunde wahrnimmt, auch ohne, dass wir mit ihm etwas üben, denn er hat gelernt: freilaufende Hunde: es passiert öfters etwas Unangenehmes.

Die Quintessenz daraus ist doch, dass das Training mittels positiver Verstärkung keinen Platz für Fragen bezüglich des erwünschten Verhaltens offen lässt und in der Folge kein Platz für unerwünschtes Verhalten geschaffen wird.

 

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichen Arten der Belohnung! Seid gespannt, was es da noch alles zu entdecken gibt.

 

 

Unter folgenden Links könnt ihr Fragen stellen, euch informieren und weiterlesen:

Ihr trainiert bereits mit positiver Verstärkung und habt Fragen oder wünscht den Austausch mit Gleichgesinnten? Dann kommt in die Facebook Gruppe „Training für Mensch und Hund“:

https://www.facebook.com/groups/720463771417485/

 

Ihr seid neugierig geworden, wisst aber nicht genau, wie ihr es anstellen sollt? Ihr habt Angst, etwas falsch zu machen? Seid euch unsicher, den gewohnten Weg zu verlassen? In der Facebook Gruppe „Perspektivwechsel“ könnt ihr eure Fragen stellen und euch vom positiven Weg anstecken lassen:

https://www.facebook.com/groups/perspektivwechselhund/

 

Das Thema Körpersprache des Hundes interessiert euch? Die Hunde Locke, Friedolin und Elli geben Auskunft:

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Autorin Birgit Fey

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