Belohnungen = Leckerchen?

Allgemein

Belohnungen Teil 3

Sind Belohnungen nur Leckerchen werfen?

 

Als ich den ersten Online Kurs absolviert habe, kam relativ zu Beginn die Aufgabe: „Erstellt eine Belohnungsliste für euren Hund“

Mindestens 10 Belohnungen sollten aufgeführt werden!

Jetzt stand ich da und wusste nicht, was ich schreiben soll.

Als Belohnung kannte ich bisher nur verbales Lob. Wenn meine Hunde mal etwas besonders gut gemacht hatten, gab es auch mal ein streicheln und, wenn ich Spendierhosen anhatte, ja, dann schnitt ich auch schon mal ein Scheibchen Fleischwurst ab. Aber das war dann schon wie Weihnachten und Geburtstag zusammen!

Somit hatte ich drei Belohnungen zusammen.

Und nun?

Ich klagte meiner Trainerin mein Leid, doch sie lachte nur und fragte

„Was haben deine Hunde denn für Hobbies?“

Hobbies?? Meine Hunde??

Mit mir spazieren gehen. Aber was hat das mit Belohnungen zu tun?

Sie lachte wieder und meinte „Was würden deine Hunde tun, wenn sie könnten, wie sie wollten?“ und sie half mir noch weiter auf die Sprünge und gab mir den Rat:

„Beobachte mal deine Hunde, wenn ihr unterwegs seid. Was machen sie sehr gerne, wenn du nichts von ihnen erwartest? Und diese Hobbies schreibst du untereinander auf eine Liste. Da gehört alles drauf, was sie tun würden, egal, ob es erwünscht ist oder nicht.“

Ah! Ja da konnte ich dann doch einige Dinge aufzählen!

Und es war total spannend, die nächsten Tage meine Hunde einfach mal zu beobachten! Wo immer es ging und machbar war, habe ich sie vollkommen in Ruhe gelassen und einfach nur geguckt, was jede Einzelne so macht.

Es hat gar nicht lange gedauert, da konnte ich sogar erkennen, ob sie an einer interessanten Pippistelle schnüffeln, ob da vorher ein anderer Hund lang gelaufen ist oder hatten sie eine Wildspur entdeckt?

Auch das Gegend beobachten hatte mehrere Facetten: war es nur ein umhergucken? Hatten sie in der Ferne eine Bewegung wahrgenommen? War es ein horchen und schauen?

Ich entdeckte, die eine meiner Hündinnen liebt es, sich zu wälzen, die andere rennt gerne durch hohes Gras oder krabbelt im Unterholz herum, die dritte im Bunde lässt kaum einen Baumstamm aus, ohne mal eben darüber zu balancieren oder zu klettern.

Vom Jagen, Hunde verbellen und vertreiben wollen, jeden Passanten begrüßen wollen und dergleichen, nicht so gern gesehenen Motivationen mal ganz abgesehen, lernte ich in ein paar Tagen mehr über meine Hunde, als all die Jahre zuvor!

Und all das kam auf meine „Hobbyliste“

Was das Ganze jetzt aber mit Belohnungen zu tun haben soll, war mir immer noch nicht so ganz klar.

Aber egal, die Trainerin wollte es so, es hat weder mir noch meinen Hunden weh getan, hat uns keinen Schaden zu gefügt und es hat sogar Spaß gemacht! Uns allen! Meinen Hunden und mir! Meinen Hunden, weil ich sie einfach mal hab Hund sein lassen (wo immer es ging und zu verantworten war!) und mir, weil ich, wie gesagt, sehr viel über meine Hunde gelernt habe!

 

Und, der positive Nebeneffekt, dadurch, dass ich die Hunde nicht ständig „unter Kontrolle“ haben musste, hatten wir sehr entspannte Spaziergänge und die Hunde waren auch daheim wesentlich ruhiger und entspannter!

Nun, diese ganzen Hobbies meiner Hunde schrieb ich in eine Tabelle. In der ersten Spalte dahinter markierte ich „ist machbar“, ist nicht machbar“ und „kommt auf die Situation an“.

Jetzt, in der nächsten Spalte, wurde es interessant! Die lautete nämlich „Welche Alternativen gibt es dafür?“

Da war dann jetzt ein bisschen Köpfchen gefragt. Aber, wenn man einmal damit angefangen hat und einen roten Faden hat, ist es ganz leicht!

Hier mal ein paar Beispiele:

Rehe jagen – nicht machbar – Alternative: Kegelspiel, Lauerspiel, Kekse fangen

Gegend scannen – Situationsabhängig – Alternative: zulassen, unter Signal stellen oder das Lauerspiel

Spuren verfolgen – Situationsabhängig – Alternative: suchen lassen und unter Signal stellen. Oder Rückspursuche, Kekse im Gras oder Laub suchen lassen

Und auch, wenn mir bei manchen Dingen nicht sofort Alternativen eingefallen sind, so bekam ich auf diese Art und Weise eine beachtliche Liste zusammen.

Und, was das Tolle an der Geschichte ist, alles, was unter der Rubrik „Situationsabhängig“ stand, konnte ich unter Signal stellen und hatte auf die Art eine weitere Belohnung für eine andere Situation! Hunde, die gerne zu etwas hin möchten, es aber nicht machbar ist, kann man ggf. mit „schauen lassen“ belohnen, dafür, dass sie nicht hin dürfen.

Aus dieser „Hobbyliste“ konnte ich mir nun meine „Belohnungsliste“ erstellen und hatte nicht mehr nur „Keks reichen“ dastehen, sondern zig verschiedene Möglichkeiten, wie ich den Keks präsentieren kann! Immer den Bedürfnissen des Hundes angepasst und somit auch eine wirkliche Belohnung, die dadurch zu einem Verstärker wird!

Mir fielen zwei Dinge auf, nämlich, dass ganz viele Belohnungen gar nicht „mitgeschleppt“ werden müssen, weil sie sich, durch das unter Signal stellen, von alleine ergeben.

Und es sind nicht immer nur Leckerchen, die ich meinen Hunden anbiete und die sie vielleicht, in der jeweiligen Situation, gar nicht annehmen können!

Für Hunde, die einen anderen Hund vertreiben möchten, ist ein simpler Bogen, den man um den anderen Hund macht, eine größere Belohnung, als der beste Keks!

Was auch schön ist, dadurch, dass ich nun weiß, was meine Hunde gerne machen, habe ich auch immer wieder mal eine nette Beschäftigung parat.

Wir gehen nicht mehr nur nebeneinander her, sondern wir gehen miteinander spazieren.

Zwei meiner Mädels balancieren sehr gerne über Baumstämme und freuen sich wie ein Keks, wenn wir an einem Stapel aufgeschichteter Baumstämme stehen bleiben und sie, wie die kleinen Bergziegen, über die Stämme kraxeln können!

Die Dritte sucht und schreddert gerne. Also trage ich ein paar Meter einen Fichtenzapfen in meiner Hand, damit er meinen Geruch annimmt, verstecke ihn dann im Unterholz und lasse Amely den im Anschluss suchen. Sie ist stolz wie Oskar, wenn sie ihn gefunden hat und zerlegt ihn anschließend in seine Einzelteile!

Mit ganz wenig Aufwand und, ohne mit einem Handkarren für die ganzen Belohnungs- und Beschäftigungssutensilien, habe ich innerhalb von wenigen Minuten drei glückliche, zufriedene und ausgelastete Hunde!

 

Auch die Aufmerksamkeit meiner Hunde auf mich hat sich um ein Mehrfaches verbessert! Sie bleiben mehr in meiner Nähe, gucken immer wieder mal zu mir rüber, ob ich nicht irgendetwas tolles entdeckt habe und kommen wie die Wiesel angeflitzt, wenn ich sie rufe!

Und das Ganze hat mich nicht viel Extraarbeit oder Training gekostet, sondern einfach nur ein wenig Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

 

Autorin: Birgit Fey

Unter folgenden Links könnt ihr Fragen stellen, euch informieren und weiterlesen:

Ihr trainiert bereits mit positiver Verstärkung und habt Fragen oder wünscht den Austausch mit Gleichgesinnten? Dann kommt in die Facebook Gruppe „Training für Mensch und Hund“:

https://www.facebook.com/groups/720463771417485/

 

Ihr seid neugierig geworden, wisst aber nicht genau, wie ihr es anstellen sollt? Ihr habt Angst, etwas falsch zu machen? Seid euch unsicher, den gewohnten Weg zu verlassen? In der Facebook Gruppe „Perspektivwechsel“ könnt ihr eure Fragen stellen und euch vom positiven Weg anstecken lassen:

https://www.facebook.com/groups/perspektivwechselhund/

 

Das Thema Körpersprache des Hundes interessiert euch? Die Hunde Locke, Friedolin und Elli geben Auskunft:

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