Artikelserie „Strafen“ Teil 4 „Ignorieren“

Strafen

Ja, auch Ignorieren ist eine Strafe!

Strafen wenden wir an, wenn eine Verhaltensweise ausbleiben soll.

Und wenn wir unseren Hund ignorieren, zeigte er ja ein Verhalten, das wir nicht wünschen, warum sollten wir ihn sonst ignorieren?
Über die Schwierigkeit, Ignorieren konsequent und immer durchzuführen, um einen „Erfolg“ zu verzeichnen, ist im Beitrag „Strafen im Training“ schon ausführlich berichtet worden, darauf brauchen wir hier nicht mehr eingehen.

Ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen, dass viele Verhaltensweisen, die wir durch ignorieren „wegtrainieren“ wollen, selbstbelohnend sind, unter anderem auch auf Grund des Gesetzes der Wahrscheinlichkeit (siehe Artikel „Strafen im Training“)

Aber die „Risiken und Nebenwirkungen“ wollen wir mal etwas genauer beleuchten.

Warum wird ignorieren denn häufig angewendet?

Meistens bei so Dingen wie

  • anspringen,
  • betteln,
  • Aufmerksamkeit einfordern,
  • bellen
  • oder auch, wenn der Hund Angst vor etwas hat.

Nun überlegen wir doch mal, warum unser Hund diese, oder ähnliche, Verhaltensweisen zeigt.

Oft werden wir angesprungen, wenn unser Hund sich freut uns zu sehen.

Die Aufmerksamkeit fordert er aus verschiedenen Gründen ein, es kann sein, dass er Langeweile hat. Oder Hunger/Durst. Oder er muss mal dringend raus. Oder er hat Schmerzen. Das sind jetzt nur einige Dinge, die der Auslöser für „Aufmerksamkeit einfordern“ sein können.

Warum ein Hund bellt kann ebenfalls mehrere Gründe haben. Er will uns mitteilen, dass da jemand an der Haustüre ist. Vielleicht will er auch jemanden oder etwas vertreiben oder begrüßen.

Bei Angst, hauptsächlich bei Dingen, die wir als harmlos einstufen, wird oft geraten, diese Angst zu ignorieren, weil man damit die Angst angeblich verstärken würde.

Wie würden wir uns fühlen, wenn ein uns nahe stehender Mensch uns ignorieren würde, wenn wir ihn begrüßen möchten? Oder wenn wir sagen, wir haben Hunger? Oder Kopfschmerzen? Vielleicht können wir auch gerade nicht an die Tür, wenn es geklingelt hat und unser Partner ignoriert unsere Bitte, mal eben an die Türe zu gehen. Es gibt ja Menschen, die vor so netten Tierchen, wie zum Beispiel Spinnen, Angst haben. Diese Menschen sitzen dann wie erstarrt da, hoffen, dass das Tierchen gar nicht da wäre und keiner kümmert sich um die Ängste! Ist doch nur eine Spinne! Soll er doch selbst mit klar kommen!

Frust, Ärger, Ungeduld, Vertrauensbruch sind so die ersten Gefühle, die mir einfallen, die ICH hätte, wenn mir jemand so käme!

Was bleiben denn für Möglichkeiten, wenn das Ursprungsverhalten, das ja einem Bedürfnis entspringt, ignoriert wird?
Der Hund steigert sich in sein Verhalten hinein, er wird noch massiver! Das gipfelt dann doch meistens in noch mehr „schlechtem“ Verhalten! Er stupst uns nicht mehr nur an, wenn er unsere Aufmerksamkeit haben möchte, er bringt vielleicht ein Spielzeug. Hilft das auch nicht, fängt er gegebenenfalls an, uns anzubellen.

Wollte er uns aufmerksam machen, weil er ein dringendes Bedürfnis hatte, kann es passieren, dass er sich auf dem Teppich erleichtert.

Hatte er Hunger oder Zahnschmerzen, nagt er vielleicht die teure Barock-Kommode an.

Bei Angst kann er in Dauerstress verfallen. Wie wir alle wissen, ist der nicht gerade gesundheitsfördernd.  Zudem kann man Angst nicht verstärken! Entweder ich habe Angst oder ich habe keine!

Aber umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: ich fühle mich genervt, wenn mir jemand ständig um den Hals fällt, um mich zu begrüßen. Es regt mich auf, wenn ich gerade mit etwas für mich Wichtigem beschäftigt bin, und soll an die Tür gehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich das Essen noch nicht fertig habe und die Kinder kommen hungrig aus der Schule. Manchmal ist es auch so, dass ich mich zurückgesetzt fühle, wenn mein Partner mal wieder Kopfschmerzen hat und ich mich um ihn kümmern muss. Wer kümmert sich denn um mich, wenn ich deswegen etwas Anderes liegen lassen muss?

Gibt es einen Ausweg aus dieser Situation?

Ja, den gibt es!

Der Hund zeigt IMMER ein noch erwünschtes Verhalten, bevor er etwas Unerwünschtes tut! Es liegt an uns, dieses Verhalten zu erkennen und zu belohnen. Und wenn es uns nicht gelingt, aus welchen Gründen auch immer, bauen wir ein Alternativverhalten auf, welches dem Hund vermittelt: „Ich habe dein Bedürfnis erkannt! Ich kümmere mich gleich darum!“

Nur ein paar Beispiele hierzu:

Anspringen: entweder wir belohnen den Hund, solange noch alle vier Pfoten auf dem Boden sind. Oder, wir lassen ihn „Sitz“ machen, bieten ihm ein Spielzeug an oder streuen zunächst ein paar Kekse. Je nach Situation und Gegebenheiten.

Betteln: es besteht die Möglichkeit, dem Hund auch etwas zum fressen oder kauen anzubieten. Wir können aber auch eine Wohlfühlzone aufbauen, in die der Hund sich zurückziehen kann, während wir selber essen.

Aufmerksamkeit einfordern: da ist es an uns, erst einmal herauszufinden, warum wird unser Hund gerade so aufdringlich.

Ein Blick auf die Uhr könnte uns Aufschluss darüber geben, dass es Zeit zum Gassi ist. Die Fütterung könnte überfällig sein.

Bei Schmerzen ist natürlich erste Hilfe und/oder der Gang zum Tierarzt notwendig!

Bei Langeweile könnten wir eine kurze Pause, mit dem was wir gerade tun, machen und dem Hund eine kleine Beschäftigung anbieten. Ist für uns Beide eventuell gerade mal angebracht. Es lohnt sich aber auch, eine Entspannungsdecke aufzubauen, die wir dem Hund dann zur Verfügung stellen. Ein Wartesignal, das ihm sagt „Ich kümmere mich gleich um dich“ ist ebenfalls eine schöne Möglichkeit.
All diese Möglichkeiten des Aufbaus funktionieren natürlich nicht jetzt sofort und auf der Stelle!

Aber auf Dauer haben wir einen Hund, der weiß, wir nehmen all seine Bedürfnisse wahr und auch ernst, auch wenn wir uns nicht immer sofort damit befassen können, so doch zeitnah.

Das Endergebnis ist dann ein Hund, der im Vertrauen auf uns auch mal warten kann, der gelernt hat, etwas Geduld auf zu bringen.

Und die Nebenwirkung davon ist, unser Hund ist auch in anderen Situationen, die ihn stressen, ruhiger und ansprechbarer. Er weiß, er hat einen Menschen an seiner Seite, der sich kümmert!

Ist das nicht ein schönes Gefühl?

 

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