Unangenehmes im vermeiden

Artikelserie „Strafen“ Druck und Ruck

Strafen

 

 

„So ein bisschen auf den Popo drücken, damit der Hund lernt Sitz zu machen, ist doch nicht schlimm, oder? Dabei gleich von unangenehm zu reden, ist ein bisschen übertrieben, meint ihr nicht?“

„Außerdem, wie soll er es denn lernen? Ich kann ja nicht immer warten, bis sich mein Hund von allein hinsetzt und ihm dann „Sitz“ sagen.“

„Und wenn der Hund meint, er müsse an der Leine ziehen, ja mein Gott, ich lasse mich doch nicht durch die Gegend zerren! Dann ruck ich eben ein bisschen zurück, dann merkt er das schon. Er muss ja nur langsamer gehen, dann hört der Druck am Halsband doch von alleine auf!“

„Strafe ist das in meinen Augen nicht! Schließlich wende ich keine körperliche Gewalt an und wenn es ihm wirklich weh tun würde, könnte er dem ja ganz einfach aus dem Weg gehen, indem er sich setzt oder aufhört zu zerren.“

So funktioniert das aber nicht!

Betrachten wir das Ganze doch mal aus der Sicht eines Hundes:

Da steht ein Mensch und sagt ein völlig fremdes Wort. Der Hund hat keine Ahnung, was der Mensch von ihm möchte. Dann wiederholt der Mensch das Wort, greift von vorne und recht gruselig über den Hund, drückt ihm auch noch auf den Popo, was irgendwie ein blödes Gefühl ist, so dass er sich hinsetzen muss und anschließend freut sich der Mensch. Hundchen freut sich mit und springt auf. Mensch sagt wieder dieses eine Wort, beugt sich wieder von vorne über den Hund und drückt ihn wieder am Popo runter.
Beim vierten, fünften oder sechsten Mal hat der Hund spitzbekommen, wenn das Wort kommt, folgt auch gleich das unangenehme Darüberbeugen und Runterdrücken.
Hund ist ein pfiffiges Kerlchen und will diese unangenehmen Dinge nicht, deshalb setzt er sich hin, sobald der Mensch das Wort gesagt hat.
Perfekt – „meinst Du“ – Der Hund hat Sitz gelernt! Für den Hund ist es überhaupt nicht perfekt!

Der Mensch möchte nun aber auch, dass der Hund das Gelernte draußen an der Straße macht. Dummerweise ist die Welt da draußen viel zu spannend für den kleinen Hund, um sich an das zu erinnern, was drinnen, im bekannten Wohnzimmer, gelernt wurde.
Also beginnt das Spiel von Neuem, nur dass der Mensch jetzt nicht so geduldig ist, schließlich kann der Hund es ja bereits, und wird nachdrücklicher in der Stimme und mit seinem Druck auf den Popo. Jetzt ist es schon nicht mehr nur unangenehm und blöd, jetzt tut es bereits auch schon weh!

In der nächsten Situation piksen vielleicht die Steine oder das Gras ist nass oder der Asphalt zu heiß, vielleicht hat der Hund auch Schmerzen und es tut ihm weh, sich hinzusetzen. Kurz gesagt, diesmal hat der Hund einen für ihn triftigen Grund, sich nicht hinzusetzen. Aber unser Mensch ist der Meinung, sein Wort ist Gesetz! Der Hund bekommt dafür einen Klapps auf den Hintern, inclusive einem sehr scharf ausgesprochenem „Sitz“ und setzt sich, aus Angst vor weiteren Strafen doch hin, obwohl es für ihn unangenehm und vielleicht auch schmerzhaft ist.

Wir gehen mit dem Hund ein Stückchen weiter und dahinten toben die Hundefreunde. Der Mensch möchte, dass der Hund sich zum ableinen hinsetzt, schließlich hat er einen gut erzogenen Hund! Aber, es kommt, wie es kommen muss, die Ablenkung durch die anderen Hunde ist viel zu groß, um sich jetzt noch darauf zu besinnen, was dieses „Sitz“ zu bedeuten hatte. Jetzt wird der Mensch aber richtig unwirsch! Seine Stimme wird lauter, schärfer und er klappst dem Hund mit der flachen Hand auf den Rücken, so dass dieser sich vor lauter Schreck hinsetzt! Und weil Menschlein nun erst recht sauer ist, gibt es auch kein Spiel mit den Freunden.

Merkst Du es?

Der Mensch im Beispiel ist in eine regelrechte Spirale geraten. Aus dem anfänglichen leichten Druck und dem blöden über den Hund beugen, was allein für sich schon kein gutes Lernen war, sondern nur ein Ausweichen vor dem Unangenehmen, ist ein körperliches Maßregeln – also Gewalt – geworden.

Der Mensch hat dem Hund von Anfang an nicht die Chance gegeben, dieses einfache Signal „Sitz“ zu verstehen, es ordentlich zu lernen, auf andere Situationen zu übertragen und Beide hatten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Spaß an der ganzen Sache.

Wäre es nicht viel schöner gewesen, die Beiden hätten ein Spiel daraus gemacht, hätten gemeinsam das Signal „Sitz“ erlernt, wären zusammen und einträchtig in immer schwierigere Situationen gegangen, um das Gelernte zu vertiefen und zu generalisieren. Der Mensch könnte dann wirklich voller Stolz auf seinen Hund sehen, der freudig und breit grinsend das erlernte Signal ausführt.

In jeder Situation!

Der sich aber auch traut, im Vertrauen auf das Verständnis, welches ihm entgegengebracht wird, ein Signal auch mal nicht vollständig auszuführen, weil er es in diesem Moment einfach nicht ausführen kann.

Ungehorsam? Unsinn!

In unserem Beispiel haben wir uns nur das einfache, schnell zu lernende Signal Sitz angesehen. Bei dem nicht so viel falsch laufen kann!

Und dennoch haben wir vom ersten Versuch mit einem unangenehmen Aufbau trainiert. Der Hund hat gelernt: „Ich muss mich setzen, um das Unangenehme zu vermeiden!“

Zunächst noch kaum erwähnenswerte, für den Hund aber trotzdem unerfreuliche Handlungen, bis hin zu richtigem Druck bzw. echter Gewalt!

Wie sieht denn dann eine Spirale bei Signalen aus, bei denen wir auf die korrekte Ausführung vertrauen müssen…?

Wusstest Du, dass solch eine Herangehensweise…
– Deinen Hund unnötig stresst
– Das Lernen sehr erschwert
– Dein Hund das Verhalten nicht mit Freude zeigt
– Dein Hund Dich als unangenehm einstuft
– Einen Vertrauensverlust darstellt
– Dein Hund sich in Deiner Nähe niemals „sicher“ fühlen kann
– Dein Hund Angst vor Dir entwickeln könnte…

Ist doch voll schade – oder?

 

 

 Fragen, Anregungen und Antworten zum Training bekommt ihr in der kostenlosen Facebook Gruppe „Training für Mensch und Hund“

Autorin Birgit Fey

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