Artikel Serie „Strafen“ Teil 7 „Zum guten Schluss“

Strafen

Artikelserie „Strafen“

Teil 7 „Zum guten Schluss“

Diesmal geht es nur in zweiter Linie um Strafen und unsere Hunde. Diesmal geht es eher um uns. Um unser Wohlbefinden, unsere Stressfaktoren.

In der Trainingsgruppe „Training für Mensch und Hund“ hat ein Mitglied vor einiger Zeit mal eine Umfrage zum Thema „Strafen“ erstellt.

Das Verblüffende war, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer die Antwort: „Stress der mich manchmal unfair reagieren lässt“ und „Überforderung in der Situation“ angekreuzt haben!

Ich glaube, wir sind uns oftmals gar nicht bewusst, wie sehr unser eigenes Wohlbefinden, unser eigener Stresslevel sich auf unsere Hunde auswirkt.

 

Aus welchen Gründen auch immer, ist unsere Laune im Keller. Eigentlich freuen wir uns auf einen schönen Spaziergang mit unserem Hund, um die ganze blöde Welt einfach mal vergessen zu können!

Da wir uns selbst auch noch ein schönes Erfolgserlebnis gönnen wollen, nehmen wir uns vor, heute mal wieder ein wenig am Rückruf zu feilen. Den haben wir in letzter Zeit etwas schleifen lassen.

-Wir registrieren dabei aber gar nicht, dass unser Hund heute nicht ganz so freudig zu uns kommt, während wir uns fertigmachen.-

Also, bepackt mit guten Keksen und guten Vorsätzen machen wir uns auf den Weg. Schnell bemerken wir, dass irgendwie die Motivation bei unserem Hund heute nicht ganz so dolle ist wie sonst. Ein wenig ärgerlich, aber macht nichts, wir haben ja die tollen Kekse dabei, die werden seine Motivation schon steigern.

Die Leinenführigkeit bei unserem Hund war auch schon besser! Er pendelt ständig von rechts nach links, von vorne nach hinten und auch diagonal. Mist aber auch! Andauernd können wir die Leine neu sortieren, müssen aufpassen, dass unser Hund uns nicht kunstvoll einwickelt oder wir ständig auf die Leine treten oder gar darüber stolpern!

Langsam steigt unsere Ungeduld! Dabei hatten wir uns so auf ein wenig Ablenkung vom Alltag gefreut!

Wir sind aber immer noch davon überzeugt, sobald wir mit dem Training anfangen, wird alles gut! Endlich sind wir an einer Stelle angelangt, wo wir mit unserem Training beginnen können.

Da unser Hund den Rückruf ja eigentlich beherrscht und wir jetzt sofort und auf der Stelle ein Erfolgserlebnis für unser eigenes Ego brauchen, halten wir uns gar nicht erst mit so lapidaren Dingen, wie in ruhiger Umgebung, kleinschrittig und mit leichten Übungen zu starten, auf.

Wir gehen gleich in die Vollen!

Ganz weit hinten wissen wir, wohnt ein anderer Hund, den unserer nicht wirklich gut leiden kann. Normaler Weise kein Problem, daher lassen wir unseren Hund los und rufen ihn, kurz bevor er das Grundstück des Anderen erreichen würde.

Verflixt und zugenäht! Unser Hund hat die Ohren auf Durchzug gestellt und rennt einfach weiter!!! Wutschnaubend stapfen wir hinterher und pflücken ihn im letzten Moment vom Gartenzaun des Anderen weg.

Zum Glück hat das jetzt keiner mitbekommen!! Wie peinlich wäre das denn?!

Spätestens jetzt ist unsere Geduld am Ende und wir schimpfen wie ein Rohrspatz auf unseren Hund ein! Dass er nie wieder von der Leine kommt ist ja wohl selbstredend!

Wie konnte es soweit kommen?

Wir wollten doch nur ein wenig Abstand vom normalen Alltag! Wir wollten den ganzen Ärger einfach mal eine kurze Zeit vergessen! Wir wollten nur auf andere Gedanken kommen! Wir wollten nur ein kleines Erfolgserlebnis!

Merkt ihr was? Wir wollten nur….!

Und haben uns dabei mit jedem Schritt immer weiter selbst unter Druck gesetzt. Wir haben uns selber gar nicht die Zeit gegönnt, mal tief durch zu atmen. Haben uns nicht den Augenblick genommen, die Zeit einfach mal anzuhalten.

Wir haben uns sogar noch das eine oder andere Päckchen auf die Schultern gepackt, anstatt den Ballast einfach mal ab zu legen!

In solchen Momenten ist es unwahrscheinlich schwer, den Alltag wirklich hinter sich zu lassen! Es kostet schon ein wenig Übung, auch mal inne zu halten, die Augen zu schließen und den Moment einfach auf uns wirken zu lassen.

Das ist aber so unendlich wichtig!

Denn unser Hund merkt unseren Gefühlszustand! Unsere Hunde sind Meister darin, uns zu lesen! Und nicht nur unsere Körpersprache! Nein, sie haben ein sagenhaft feines Gespür für unser Innerstes!

Und wenn wir uns selber unter Druck setzen, setzen wir auch unseren Hund unter Druck! Er kann mit unserer Ungeduld nicht umgehen und wird dabei selbst gestresst. Das ist ein Teufelskreis: je ungeduldiger wir werden, desto gestresster wird unser Hund, ein gestresster Hund macht Fehler, er kann gar nicht mehr richtig auf unsere Signale reagieren. Aber je mehr Fehler er macht, desto ungeduldiger werden wir.

Wenn euch also mal wieder eine Laus über die Leber gelaufen ist, packt euch einen schönen Rucksack, mit ein paar Knabbereien für euch und euren Hund, sucht eine nette, ruhige Stelle, an der ihr einfach verweilen könnt. Lasst euren Hund selbst entscheiden, ob er lieber schnüffeln möchte, die Gegend scannen oder sich zu euch legen möchte. Ihr selber schließt die Augen, atmet ein paar Mal ganz bewusst ein und aus. Spürt, wie die Atemluft durch euren Körper strömt! Hört der Natur für ein paar Augenblicke zu. Und versucht auch einmal zu hören, was euer Hund gerade macht.

Knabbert, wenn euch danach ist, gemütlich mit eurem Hund zusammen die mitgebrachten Leckereien. Wenn nicht, dann lasst es einfach! Niemand zwingt euch dazu!

Und noch etwas: das Training läuft euch nicht weg! Den Rückruf könnt ihr auch an einem anderen Tag auffrischen!

Buddha sagte mal: „Tu was du willst, aber nicht weil du musst!

 

So, jetzt muss ich erst einmal selber tief durchatmen, um zum nächsten Punkt zu kommen!

 

Ein weiterer oft genannter Punkt in der Umfrage war ja „Überforderung mit der Situation“

Das passiert recht schnell, vor allem, wenn wir einen Hund mit Baustellen haben.

Da gibt es zwei Dinge, die ihr für euch tun könnt, um nicht so schnell in solch eine Situation hinein zugeraten.

Zunächst wäre da Management.

Je nachdem, wo das Problem liegt, versucht die Situation so zu gestalten, dass ihr es eurem Trainingsstand entsprechend handhaben könnt.
Habt ihr einen Hund, der jedes Mal austickt, wenn es klingelt?  Stellt die Klingel wenigstens für ein paar Stunden am Tag ab, damit ihr mal eine gewisse Zeit habt, in der ihr mit Sicherheit nicht durch die Klingel gestört werdet.

Rastet euer Hund bei Begegnungen, egal ob Hund, Katze, Maus, aus? Dann sucht euch wenigstens einmal am Tag eine Strecke, auf der die Wahrscheinlichkeit einer solchen Begegnung sehr gering ist.

Ist euer Hund ein begnadeter Jäger? Ihr habt bestimmt ein Industriegebiet bei euch in der Nähe! Fahrt dorthin und erkundet es! Für euren Hund gibt es dort genau so viel zu schnüffeln, wie draußen auf der grünen Wiese, dafür sind dort mit Sicherheit weniger Rehe, Hasen, Wildschweine.

Soweit zum Thema Management.

Trotzdem müsst ihr ja trainieren. Es ist ja nicht damit getan, den Problemen ständig aus dem Weg zu gehen!

Aber auch da, macht euch keinen Stress!

Baut euch ein Signal nach dem anderen in aller Ruhe auf! Und erst, wenn das wirklich sitzt, geht ihr an das nächst schwerere. Ein ganz simpler Handtouch kann euch schon in vielen Situationen ein wenig Luft verschaffen.

Und, noch ganz wichtig, auch wenn ein Signal sitzt, wiederholt es immer wieder mal! Ihr vergesst es sonst!

Ich habe mir zum Beispiel ein Umorientierungssignal aufgebaut, das ich ganz ganz oft in leichten Situationen auffrische. Nicht unbedingt für meine Hunde, sondern für mich! Damit es nicht in irgendeiner Schublade in meinem Kopf verstaubt, sondern, damit ich es immer sofort griffbereit habe! Es muss ein Signal geben, dass euch bei eurer Baustelle weiterhilft, Zeit verschafft. Und dieses Signal wiederholt ihr immer und immer wieder. Es muss euch und eurem Hund ein riesen Spaß machen, dieses eine Signal auszuführen. Dann habt ihr es auch auf dem Schirm, wenn es mal brenzlich wird.

Auf diese Art verschafft ihr euch Zeit, Luft und die Möglichkeit zu agieren um auf andere, der Situation angepasste, Signale zurück zu greifen.

Gebt euch und eurem Hund Zeit! Zeit zu lernen, Zeit zu verstehen und Zeit das gelernte umzusetzen. So kommt ihr nicht so schnell in Situationen, die euch und euren Hund überfordern.

 

So lauft ihr nicht Gefahr, euren Hund aus einem Impuls heraus zu strafen.

 

Hiermit beenden wir unsere kleine Serie „Strafen“.

Ich bedanke mich bei allen, die den Weg durch den Dschungel der Strafen mitgegangen sind und hoffe, es ist mir gelungen, ein wenig Wissen zu vermitteln.

Und Neugierde geweckt zu haben. Neugierde auf einen gemeinsamen, positiven Weg mit unserem Hund. Neugierde auf eine Entdeckungsreise!

Denkt immer daran, die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt!

 

Marc Junior Schneider schrieb einmal folgende Zeilen, die ich jedem gerne mit auf den Weg geben möchte:

„Seelenmenschen gehen mit ihrem vierbeinigen Freund auch durch Regen, aber sie wandeln auf einem gemeinsamen Weg, sie sind ihrem Hund zugewandt, um sich seiner Individualität bewusst zu sein und nehmen damit auch die Herausforderung an, neue Wege zu erforschen, die nicht immer frei von Fehlern sind, aber gepflastert mit Empathie und der Bereitschaft hinzuzulernen, um miteinander zu wachsen.

Wir haben die Chance, unsere Hunde zu beobachten, ein Gespür für ihre Sichtweise zu bekommen und haben die Chance ein Begleiter und Unterstützer ihrer Entdeckungsreisen zu werden. Wir erleben dabei Talente, Bedürfnisse und Ängste.“

 

Unter folgenden Links könnt ihr Fragen stellen, euch informieren und weiterlesen:

Ihr trainiert bereits mit positiver Verstärkung und habt Fragen oder wünscht den Austausch mit Gleichgesinnten? Dann kommt in die Facebook Gruppe „Training für Mensch und Hund“:

https://www.facebook.com/groups/720463771417485/

 

Ihr seid neugierig geworden, wisst aber nicht genau, wie ihr es anstellen sollt? Ihr habt Angst, etwas falsch zu machen? Seid euch unsicher, den gewohnten Weg zu verlassen? In der Facebook Gruppe „Perspektivwechsel“ könnt ihr eure Fragen stellen und euch vom positiven Weg anstecken lassen:

https://www.facebook.com/groups/perspektivwechselhund/

 

Das Thema Körpersprache des Hundes interessiert euch? Die Hunde Locke, Friedolin und Elli geben Auskunft:

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